Deckel S 11 Radiusschleifmaschine

Deckel S 11 4 Werkzeugmaschine 1

FEINMECHANIK
MICHAEL DECKEL

Technische Information
S11
Radius-Schleifen Eckenradien

Radius-Schleifen 
Für das Schleifen von Eckenradien an spiralgenuteten Werkzeugen benutzt man die Radius-Schleifeinrichtung. Dabei arbeitet man entweder mit dem Stützfinger für Radiusfräser oder mit einer Zahnstütze, die der Radius-Schleifeinrichtung angepasst ist.

Beide Schleiftechniken ermöglichen das Schleifen von konvexen und konkaven Eckenradien.

Die Arbeitstechnik mit dem Stützfinger für Radiusfräser (ausführlich erklärt in "RadiusSchleifen/Gesenkfräser") ermöglicht das Schleifen von annähernd beliebig großen Eckenradien.

Nachteil: Konstanter Freiwinkel über den gesamten Bereich der Radius-Schneide. Die Arbeitstechnik mit der Zahnstütze ermöglicht das Schleifen von Eckenradien bis zu einem Radius von ca. 5 mm.

Vorteil: Unterschiedliche Freiwinkel an Stirnschneide und Umfangs-Schneide möglich. Im folgenden wird die Arbeitstechnik mit der Zahnstütze erläutert. Als Beispiel dient das Schleifen einer konvexen Radiusform an einem rechtsschneidenden Walzenstirnfräser.

Anschließend finden Sie spezielle Hinweise zum Schleifen konvexer Eckenradien am kreuzverzahnten Scheibenfräser.

Arbeitstechnik mit der Zahnstütze 
Die Spanfläche der zu schleifenden Schneide ruht auf dem Stützblatt der Zahnstütze. Die Zahnstütze ist auf der Radius-Schleifeinrichtung befestigt (siehe vordere Umschlag-Ausklappseite). Die Radiusform entsteht durch Schwenken des Schwenkarms der Radius-Schleifeinrichtung. Der Radius-Mittelpunkt des Fräsers muss dabei genau auf die Schwenkachse der Radius-Schleifeinrichtung eingerichtet sein. Der Unterschied des Freiwinkels von Stirn- und Umfangs-Schneide entsteht durch eine entsprechende Drehung des Fräsers.

Aus Platzgründen muss am hinteren Schleifrand einer relativ kleinen Schleifscheibe geschliffen werden. Um einen zu hohen Scheibenverschleiß zu vermeiden, empfiehlt sich der Einsatz einer Bornitrid-Schleifscheibe.

Positionieren der Radius-Schleifeinrichtung
Die Radius-Schleifeinrichtung wird so auf den Werkzeugschlitten aufgesetzt, daß sie mit seiner vorderen Stirnseite abschlieβt.

Anordnung des Querarms
Für rechtsschneidende Fräswerkzeuge Querarm so aufsetzen, daß er nach links weist.

Einstellen der Freiwinkel

Stirn-Freiwinkel einstellen
Der Stirn-Freiwinkel des Fräsers wird am Schleifkopf eingestellt.

Umfangs-Freiwinkel einstellen 
Normalerweise ist am Walzenstirnfräser der Freiwinkel der Umfangs-Schneide größer als der Freiwinkel der Stirn-Schneide.

Beispiel: 
Freiwinkel der Stirn-Schneide = 5° 
Freiwinkel der Umfangs-Schneide = 8° 
Differenz der Freiwinkel = 3°

Damit die Stirn- und Umfangs-Schneiden trotz unterschiedlicher Freiwinkel in einem Arbeitsgang geschliffen werden können, muss der Fräser um die Differenz der Freiwinkel verdreht werden.

Zu diesem Zweck: Mittelpunkt des Fräsers mit der Universal-Einstellehre anfahren. Einen Zahn auf Mittellinie stellen (am Teilkopf Klemmring für Teilscheibe geöffnet, Indexstift eingerastet). Fräser um die Differenz der Freiwinkel in Schneidrichtung drehen (im angegebenen Beispiel 8° — 5° = 3°). Klemmring für Teilscheibe festziehen.

Der Freiwinkel der Umfangs-Schneide des Fräsers (hier 8°) ergibt sich also

  • aus dem Winkel am Schleifkopf (hier 5°)
  • und aus dem Verdrehwinkel am Teilkopf (hier 3°).

Der Radius-Mittelpunkt des Fräsers wird mit Hilfe der Mess- und Einstell-Lehre (ME-Lehre) auf die Schwenkachse der Radius-Schleifeinrichtung eingerichtet.

Vor dem Einrichten muss der Hebel A an der ME-Lehre umgelegt werden. Auf der Messuhr ist die Skala im Uhrzeigersinn maßgebend.

Die Beispiele auf der folgenden Seite zeigen die Messuhrstellungen beim Einrichten. Messuhr und angezeigter Wert sind nur symbolisch dargestellt.

Wenn der Fräser auf die Schwenkachse der Radius-Schleifeinrichtung eingerichtet ist, darf diese Position bei nachfolgenden Arbeitsgängen nicht mehr verändert werden!

Fall 1 
Es wird nur die Freifläche am Radius geschliffen. Einrichtbeispiel: Radius = 3 mm

Fall 2
Es werden die Freiflächen am Radius und an der Stirn in einem Arbeitsgang geschliffen. Einrichtbeispiel: Radius = 2 mm, Schleifaufmaß an der Stirnschneide = 0,05 mm

Die Zahnstütze wird zusammengesetzt

  • aus dem Halter für Stützfinger
  • aus Einzelteilen der Standard-Zahnstütze
  • und aus dem Stützblatt (vom Zusatzgerät Gegenlager).

Die Zahnstütze soll jeden Fräserzahn in der eingestellten Zahnposition abstützen. Hierzu das Stützblatt am Übergangspunkt Umfangs- Schneide zu Radius-Schneide an die Spanfläche des eingestellten Zahns anlegen. Das Stützblatt soll beim Schleifen nicht angeschliffen werden. Deshalb muss sich das Blatt innerhalb des Fräserquerschnitts befinden.

Position des Werkzeugträgers 
Das zu schleifende Werkstück sollte z.B. zwecks Überprüfung des Schleifergebnisses möglichst weit aus der Schleifzone gefahren werden können. Den Werkzeugträger deshalb so positionieren, dass die Radiusschneide in der hinteren Werkzeugschlittenposition geschliffen wird (siehe Bilder unten).

Fall 3: Schleifen der Radius-, Umfangs- und Seiten-Schneiden am kreuzverzahnten Scheibenfräser

Beim Einstellen und Schleifen der Eckenradien am Scheibenfräser wird sinngemäβ wie beim Walzenstirnfräser vorgegangen. Umfangs-, Radius- und Seiten-Schneiden können in einem Arbeitsgang geschliffen werden.

Die linken Schneiden (Blickrichtung gegen die Schneiden) des Scheibenfräsers müssen jedoch bei "spiegelbildlicher" Maschineneinstellung geschliffen werden.

Wir empfehlen, den Scheibenfräser vor dem Schleifen der Freiflächen am Umfang rundzuschleifen. Die Freiflächen der Umfangs-Schneiden werden anschlieβend nach Rundschliff-Fase freigeschliffen und man erhält so genau zylindrische und exakt rundlaufende Umfangs-Schneiden. 

Schleifen der linken Schneidengruppe 
Die linke Schneidengruppe des Scheibenfräsers wird bei spiegelbildlichem Aufbau

  • von Schleifkopfträger
  • und Radius-Schleifeinrichtung (Querarm, Anschläge) sinngemäß wie die rechte Schneidengruppe geschliffen.

Durch Spiral-, Span- und Freiwinkel ergeben sich bei der hier beschriebenen Schleiftechnik Radiusformfehler bis zu 3% der Radiusgröße. Wenn man beim Einrichten des Radius-Mittelpunkts auf die Schwenkachse einen Radius einstellt, der etwa 5-10% größer als der gewünschte Radius ist, so können die Formfehler auf ca. 0,02 mm verringert werden. Diese Korrektur kann entweder

  • schon beim ersten Einstellen des Fräsers erfolgen oder
  • nach dem ersten Schleifen mit anschließendem Nachschleifen.
Die Originalbroschüren stehen zum Verkauf. Eine Vorschau wird angezeigt. Der Preis der Broschüre ist auf Anfrage erhältlich.